Anwendungsfelder
Controlling
Controlling ist nicht Kontrolle. Im systemischen Verständnis ist es ein Instrument zur Erweiterung der organisationalen Beobachtungskompetenz – im Wissen darum, dass weder allumfängliche noch objektive Beobachtung möglich ist. Kennzahlen sind Landkarten, keine Territorien.
Eidenschink · Metatheorie der Veränderung
Eidenschink warnt vor einer häufigen Falle im Controlling: die Verwechslung von Beschreiben, Erklären und Bewerten. Kennzahlen beschreiben – aber die Erklärung und Bewertung erfordern Kontext, den die Zahl selbst nicht liefert. Wer Zahlen ohne diesen Kontext interpretiert, läuft Gefahr, falsche Schlüsse zu ziehen und Maßnahmen einzuleiten, die das eigentliche Problem verfehlen.
Traditioneller Ansatz
Traditionelles Controlling fokussiert auf Formalziele: Liquidität, Kostendeckung, Gewinn. Es basiert auf einem Soll-Ist-Vergleich und versucht, Abweichungen durch gezielte Maßnahmen zu korrigieren. Manager werden als rationale Entscheider betrachtet, die auf Basis vollständiger Information handeln. Dieses Modell ist nützlich für klar definierbare, quantifizierbare Bereiche – stößt aber in komplexen sozialen Systemen schnell an Grenzen.
Systemische Perspektive
Systemisches Controlling versteht sich als Modus zur Erweiterung der organisationalen Beobachtungskompetenz. Es fragt nicht nur: "Haben wir unsere Ziele erreicht?" – sondern auch: "Haben wir die richtigen Ziele? Sind sie noch angemessen?" Steuerungsrelevante Themen umfassen nicht nur Finanzen, sondern auch Personal, Qualität und Kultur. Kennzahlen werden als Konstruktionen betrachtet, die immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit abbilden.
Objektivität vs. Konstruktivität: Kennzahlen erscheinen objektiv, sind aber immer konstruierte Ausschnitte. "The map is not the territory" (Alfred Korzybski) gilt auch für Bilanzen und Statistiken.
Komplexitätsreduktion vs. Realitätstreue: Kennzahlen vereinfachen – das ist ihr Vorteil und ihre Gefahr zugleich. Wichtige Aspekte, die sich nicht quantifizieren lassen, werden leicht übersehen.
Beschreiben vs. Erklären vs. Bewerten: Diese drei Ebenen müssen unterschieden werden. Eine schlechte Zahl zu beschreiben ist etwas anderes als sie zu erklären – und beides ist etwas anderes als sie zu bewerten und daraus Konsequenzen zu ziehen.